The White City I

 

Grad ein bisschen mehr als 100 Jahre alt und hat schon ihren Stammplatz unter den Metropolen dieser Welt: the „White City“, die „Weiße Stadt“, Tel Aviv.

Der Name leitet sich von den vielen Gebäuden (es sind an die 4000) im Bauhausstil ab, in keiner Stadt der Welt gibt es annähernd gleich viele. Weiß, kubisch, heute UNESCO-Weltkulturerbe. Jüdische Architekten aus Deutschland brachten die Idee der Bauhausarchitektur in den 30er Jahren hierher.

Doch die Bauhaus-Architekten machten hier nicht einfach weiter wie sie es aus  Deutschland kannten. Sie mussten sich der neuen nahöstlichen Umgebung kreativ anpassen – was ihnen sehr gut gelang. Zum Beispiel versahen sie die charakteristischen langen Balkone mit schmalen Schlitzen, um die Meeresbrise einzufangen und die Hitze erträglich machen. Brüstungen und Lamellen über den Terrassen oder Balkonen spendeten Schatten.

Tel Aviv, der „melting pot“. Zuwanderer aus aller Welt sind seit der Gründung hergezogen. Viele der Juden, die in der Diaspora leben mussten und Verfolgung ausgesetzt waren, haben hier ihre Heimat (wieder)gefunden. Etliche Sprachen  sind neben dem Hebräischen zu lesen und zu hören. In deutscher Sprache angesprochen zu werden kann schon mal vorkommen, weil „man ja so froh ist, wieder ein paar deutsche Sätze zu sprechen…“ Gleichzeitig Zentrum von Start-ups der Hightech-Branche, Party-Stadt, junge, dynamische Metropole.

Der Carmel Markt. Das überbordende Angebot der Levante. Orientalische Gewürze, Gemüse, Obst aus dem nahöstlichen Raum, Humus, Falafel, Bagel neben Strudel.

Miriam Weissenstein. Die Begegnung mit ihr wird immer in Erinnerung bleiben. Sie saß in den Räumen des Fotostudios ihres verstorbenen Mannes Rudi Weissenstein und ließ mit der Grandezza einer 97jährigen ein Gespräch zu. Beide sind in den 30er Jahren von Wien hier her gekommen, sie Tänzerin an der Wr. Staatsoper, er Fotograf. In den  folgenden Jahren und Jahrzehnten dokumentierte er in zahlreichen Reportagen die Staatswerdung Israels und hatte zahlreiche bedeutende Politiker in seinem Studio vor der Linse. Ein Bild von ihr – wahrscheinlich aus den 30er Jahren – wurde das Sujet für ein Plakat der Stadt. Das Fotostudio wird nun von den Nachkommen weitergeführt, als  Andenkenladen an Rudi Weissenstein und seine Frau, in dem seine Fotografien und Bildbände weiterhin verkauft werden.

Anita Müller-Cohen-Elternheim. In Ramat Chen, einem Vorort von Tel Aviv, erfreut es sich bei EinwanderInnen aus Österreich großer Beliebtheit, die ihre letzten Lebensjahre in einer Atmosphäre verbringen, die sie an ihre Zeit und ihre Familie in Österreich vor der Shoa erinnert.  Lebenserinnerungen, Erzählungen, Erfahrungen.   Sie machen sprachlos, nachdenklich.

Und dann der Strand. Mittelmeerstrand vom Feinsten mitten in der City. Strandbars, Partyzone, Begegnungszone, Sportgelände, Tanzsaal. Hat schon was.

War eine rasante Entwicklung in den nun 107 Jahren seit der Gründung zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Israels – für 24 Stunden. Zu einer Stadt, die niemals schläft.

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