Weites Land

Ist noch gar nicht so lange her, dass das Weinviertel als eher schlichte Gegend wahrgenommen wurde, die mit wenig schmeichelhaften Beinamen versehen wurde: „Outback“ im Jargon der Weitgereisten, „Pampas“ auf Modern-Österreichisch oder einfach als „Gegend“. „Gegend“ ist ja eine sehr fiese Bezeichnung für eine Gegend, die im Auge des Betrachters so gar nix bis wenig zu bieten hat.

Damals, als es den Eisernen Vorhanges noch gab, war es tatsächlich eine Sackgasse, die ein Gefühl der Enge erzeugte. Dazu das gastronomische Angebot. Schlicht und bedeutungslos. Doch durch die Öffnung der Grenze wurde dieser Mief gründlich durchlüftet. Das Interesse begann zu steigen und da und dort  gab es sogar Vergleiche mit der Toskana. Gut, da wollen wir jetzt nicht übertreiben. Die Küche mag in manchen Dingen ähnlich sein. Bei der Kombination von Hülsenfrüchten und Teigwaren zum Beispiel. Oder bei den  Wildgerichten. Beim Rotwein, da hakt es noch ein wenig. Den kann die Toskana besser. Beim Weißwein, da bin ich mir nicht so sicher. Den kann das Weinviertel.

Doch die Landschaft. Die ist eigentlich gar nicht  ähnlich.  Im Gegensatz zu den bemühten Vergleichen  hat die wenig Toskanisches. Trotz der sanften Hügel.  Trotz der vielen Weinreben.  Anders als bei der Küche hat die Landschaft was Amerikanisches. Hat was vom Mittelwesten. Also von dem, was in den Vereinigten Staaten so als „Mittlerer Westen“ bezeichnet wird.  Das  Weinviertel als die „Plains“ von Österreich, sozusagen. Weiter Himmel. Weites Land. Endlose Felder. Tiefe Horizonte. Nix Outback, nix Pampas.

 

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