Linsenlos

Am 29. April ist der WPPD, der Worldwide Pinhole Photography Day. Das freut mich. Ist doch die „pinhole camera“, also die Lochkamera, schon seit vielen Jahren ein von mir sehr geschätztes  Arbeitsgerät.

Rund um den WPPD laden Fotografen auf der ganzen Welt eines oder mehrere mit einer Lochkamera fotografierten Bilder in eine gemeinsame Bildergalerie hoch. Um eine faszinierende Fototechnik  vor den Vorhang zu bitten und hoch leben zu lassen.

Die linsenlose Fotografie. Lensless happiness.  Das Licht fällt nicht durch eine optische Linse, ein  Objektiv ein, sondern es wird durch ein winziges, verschließbares Loch gebündelt und auf lichtempfindliches Material (z. B. Film) projiziert. Diese sehr kleine  Öffnung  hat in den meisten Fällen die Größe eines mit einer Nähnadel gestochenen Lochs, daher der Name,  ausgehend vom Englischen: pinhole camera.

Eine Fototechnik aus grauer Vorzeit.  In unserer digitalisierten Wunderwelt, mit all den Megapixel- und Technikwettbewerben, mit Sensoren, Motivprogrammen und Ausstattungsdetails, deren technische Aktualität im Halbjahrestakt an Bedeutung verlieren,  fast schon irreal.  Exotisch. Aufregend. Das Prinzip der camera obscura  – Licht fällt durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum, und erzeugt ein auf dem Kopf stehendes Bild  – wurde bereits von Aristoteles beschrieben und fand in späteren Jahren Verwendung zur Beobachtung der Sonne.

Meine pinhole: ein edler Holzquader in handlicher Größe, mit einem Loch von 0,17 mm Durchmesser in einem feinen, kleinen Messingplättchen. Dieser kleine Durchmesser ist es, der für eine nahezu unendliche Tiefenschärfe sorgt (um den möglichen Fragen nach technischen Details zuvorzukommen: Blende 235, Brennweite 17 mm). Die Filmkammer ist schwarz gebeizt, der Film wird händisch eingelegt und ebenso weitertransportiert . Für Menschen, die auch in vordigitaler Zeit einen Fotoapparat benutzten, nichts Ungewöhnliches.

Vergesst Schnappschüsse. Bis der Film belichtet ist kanns lange dauern. Unter vier Sekunden Belichtungszeit geht kaum was. Mehrere Minuten sind nicht ungewöhnlich. Das braucht Geduld. Hingabe. Viel Zeit.  Da gibt’s keinen Sucher für den Bildaufbau, keine Zeiger, die die richtige Belichtungszeit, die Blende oder andere Daten  anzeigen. Keine Einstellmöglichkeiten. Keine Automatik. Und keinen  Monitor, der uns das soeben gemachte Bild sofort zeigt. Ergebnisse gibt’s in ein paar Tagen, wenn der Film entwickelt ist. Aber das  Ergebnis ist immer aufregend ungewöhnlich. Überraschend, oft zufällig.   Aber die mit einer pinhole  fotografierten Bilder spiegeln eine  eigene Atmosphäre wider. Manchmal mystisch,  manchmal morbid. Und frei von Perfektion in Schärfe und Belichtung.

 

 

 

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