





In Safov, gleich hinter der österreichisch-tschechischen Grenze, das jahrhundertelang Schaffa geheißen hat, findet man einen großen jüdischen Friedhof. Manche Quellen sprechen sogar von einem der größten Mitteleuropas.
Und das kam so: 1671 boten die damaligen Herren von Frain (heute Vranov an der Thaya) den aus Pulkau und Weitersfeld vertriebenen Juden eine Freistätte, mit dem Hintergedanken, den durch den 30jährigen Krieg ziemlich verwüsteten Ort wieder neu zu beleben. Und das gelang. Sehr gut sogar. Damit begann die jüdische Geschichte von Schaffa. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebte die jüdische Bevölkerung vom Verkauf von Tuch, Leinen und Leder in der Region zwischen Znaim, Hollabrunn, Zwettl und Krems. Doch durch den Bau der Franz Josef Bahn sowie der Nordwestbahn ab 1870 verlagerte sich der Handel entlang dieser Bahnlinien und daher sahen sich die jüdischen Familien durch die fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven nun gezwungen, abzuwandern. Die jüdische Gemeinde verlor mehr als die Hälfte ihrer Angehörigen. Zu Beginn der deutschen Besetzung lebten in Schaffa noch etwa 50 ihrer Mitglieder, aber nur etwa einem Drittel gelang die Flucht ins Ausland. Seit damals gibt es keine jüdische Bevölkerung mehr in Schaffa.
Zeugnis vom regen jüdischen Leben vergangener Jahrhunderte legt heute noch der Friedhof ab, der im Nordwesten der Ortschaft an einem der in dieser Gegend zahlreichen Teiche an einem sanften Abhang liegt. Im jüdischen Glauben gilt die dauerhafte Totenruhe als unantastbar, die Gräber werden nicht eingeebnet, bleiben unberührt , die Steine bleiben bestehen, dürfen verfallen. Das macht die ganz besondere Aura und Mystik eines jüdischen Friedhofs aus.
Einen jüdischen Friedhof zu betreten, ist auch für Nichtjuden etwas Spirituelles. Gräber werden ganz bewusst der Ewigkeit überlassen. Die verwitternden Steine und die alles überwuchernde Natur ergeben reizvolle Gegensätze. Diese Ästhetik des Widerspruchs würdevoll festzuhalten ist Antrieb und Motivation immer wieder – auch – nach Safov zu fahren.